Die ostfriesischen Inseln und mit ihnen die Insel Borkum sind der niedersächsischen Küste wie ein langer Gürtel vorgelagert. Zwischen dem Festland und den Inseln befindet sich in einem relativ schmalen Streifen das ostfriesische Wattenmeer. Da sowohl die Inseln als auch der Bereich des Wattenmeeres noch zum Festlandschelf gehören, ist der Höhenunterschied zwischen beiden nicht besonders groß. Das Landschaftsbild ändert sich abhängig von den Gezeiten Ebbe und Flut in einem Rhythmus von 6 Stunden ständig. Bei Flut liegt der Bereich des Wattenmeeres immer unter dem Spiegel der Nordsee und bei Ebbe fallen weite Bereichen zwischen dem Festland und den Inseln trocken. Dies trifft auch auf einen, wenn auch schmaleren, Streifen nördlich der Inseln zu, weil sich eben auch hier das Schelf noch fortsetzt. Zieht sich das Wasser zurück, fällt nicht etwa eine gleichförmige Fläche trocken, denn Strömungsrinnen, in denen das Wasser abfließt, durchziehen diese wie ein Fächer.
Das Wattenmeer ist ein ganz einzigartiges ökologisches System, das gegenüber äußeren Einflüssen äußerst empfindlich reagiert. Im Schlamm des Wattenmeeres leben eine Reihe von unterschiedlichen Würmern sowie Muscheln und Krabben. Auch einige auf diese speziellen Lebensbedingungen spezialisierte Pflanzen haben sich hier angesiedelt. Das Wattenmeer dient ungezählten See- und Zugvögeln als Raststätte, das sie hier auch reichlich Nahrung finden. Bei Flut kommen auch viele Fische mit dem Wasser in diesen Bereich, um speziell nach Wattwürmern zu suchen. Angler wissen diesen Umstand zu nutzen und graben bei Ebbe diese Würmer aus, um sie später als Köder zu verwenden. Solange dies noch im überschaubaren Maße geschieht, mag man das noch tolerieren. Umweltschützer jedoch versuchen schon jetzt, dem Treiben der Angler einen Riegel vorzuschieben. Auch Säugetiere sind im Wattenmeer zu finden. Seehunde und Kegelrobben halten auf den freigelegten Sandbänken bei Ebbe so das eine oder andere Nickerchen.
In den letzten Jahrzehnten lockt das ostfriesische Wattenmeer verstärkt Ökotouristen an. Auf geführten Wanderungen erkunden diese dieses ganz besondere Fleckchen Erde (oder soll man sagen Wasser ?). Vor eigenständigen Wanderungen durch das Watt wird eindringlich gewarnt, denn auch das Watt hält Gefahren bereit, die bei steigender Flut von Unerfahrenen möglicherweise nicht rechtzeitig erkannt werden. Solch eine Wanderung durch das Watt ist zudem auch noch der Gesundheit zuträglich, denn das Reizklima der Nordseeküste stärkt das Immunsystem und sorgt für einen gesunden Appetit.